Tunesien, 18.01.2017, von T. Lorch

Schirrmeisterausbildung Tunesien – ein „Einsatztagebuch“ Teil 2

Der Helfer Tobias Lorch war von 29. November bis 9. Dezember in Tunesien im Einsatz. Als Sprachmittler unterstützte er die Ausbildung tunesischer Zivilschützer in Sachen Wartung, Pflege und Instandsetzung von Einsatzmaterial. Der Pilotlehrgang ist Teil einer seit 2012 bestehenden Kooperation zwischen der tunesischen Zivilschutzbehörde (ONPC) und dem THW.

Dazu gehört auch eine Lieferung von neuem und sehr hochwertigem Werkstattmaterial. Vom  Schleifbock über Kompressoren und diverse Ersatzteile bis zum umfangreich bestückten Werkzeugwagen, alles dabei. Aufgeteilt in drei Gruppen zeigt jeweils ein THW-Ausbilder den Umgang mit dem Werkzeug und hilft bei der Inbetriebnahme der neuen Gerätschaften. Die Ausbilder werden dabei von Übersetzern unterstützt. Genau das ist auch meine Aufgabe! Als ich in einem der monatlichen Newsletter von E2 gelesen habe, dass für diesen Lehrgang dringend noch französisch sprechende THWler gesucht werden, meldete ich mich. Und nun versuche ich unseren tunesischen Kameraden auf Französisch begreifbar zu machen, dass man bsw. „für das direkte Anlassen eines Motors ein anderes Modell von Bleiakku-Ladern braucht“ oder „was der technische Unterschied zwischen einer Sicherung und einem Übertemperaturschutzschalter der Kabeltrommel ist“.

Insgesamt also eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe, zumindest für mich, der nicht zweisprachig und in der THW-Jugend aufgewachsen ist. Trotzdem macht die Ausbildung sehr viel Spaß. Vor allem natürlich durch die interessierten und aufgeweckten tunesischen „Azubis“ aber auch das Team der deutschen THWler trägt viel dazu bei. Während die meisten von ihnen, teilweise schon seit Jahren, bei anderen Ausbildungen und Maßnahmen des Tunesien-Projekts dabei waren, bin ich ganz neu im Projekt. Aber alle sind sehr unkompliziert und kameradschaftlich, so dass auch ich als Tunesien-Neueinsteiger gut aufgehoben bin. Eine gute Kameradschaft ist natürlich auch wirklich wichtig, schließlich verlangt die Übersetzung über teilweise drei Sprachen viel Fingerspitzengefühl (Französisch ist schließlich auch nicht die Muttersprache der Tunesier und oft übersetzen sie mein Französisch weiter ins Arabische). Die abschließende Teambesprechung um 9 Uhr abends nach diesem ermüdenden Tagwerk braucht immer wieder starke Nerven.

Nach fünf Tagen in Zarzis teilen wir uns auf und besuchen in drei Gruppen noch insgesamt vier weitere Standorte des Tunesischen Zivilschutzes. Wir fahren in das 350 km entfernte Tozeur, einer Oasenstadt im Westen Tunesiens. Die Straßen sind recht gut und so ist das eine schöne Gelegenheit, bei dem sehr straffen Zeitplan noch etwas von Tunesien zu sehen. Auch in Tozeur wird das neue Werkstattmaterial in Betrieb genommen, vorhandene Ausrüstung geprüft, gewartet und falls nötig repariert.

Wie auch in Zarzis zeigen sich die Tunesier/innen sehr interessiert und auch dankbar für das vom THW beschaffte Material und das Engagement der Ausbilder. Allerdings sind auch allen die Unterschiede zwischen Deutschland und Tunesien bewusst, sei es im Hinblick auf die Infrastruktur (z. B. Ersatzteilbeschaffung), die Organisationskultur (der tunesische Zivilschutz wurde erst nach der Jasminrevolution langsam aufgebaut) oder eben die unterschiedliche Mentalität. In zwei Dingen aber ist man sich auf beiden Seiten einig: Die Kooperation zwischen THW und tunesischem Zivilschutz ist für das Land und seine Bewohner sehr fruchtbar und alle beteiligten Personen profitieren durch eine bereichernde Erfahrung in vielerlei Hinsicht.

So ist der ganze Spaß (im Wortsinn!) für mich nach 10 Tagen leider viel zu schnell wieder vorbei und wir reisen mit den zum Abschluss überreichten vielen Kilogramm Datteln und Olivenöl vom winterlich frischen Tunesien zurück ins noch viel kältere Deutschland.

Au revoir tunisie! /Auf Wiedersehen Tunesien!


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